Die Elternarbeit am Gymnasium Bayreuther Straße, Wuppertal
von Thomas Brandenburg
Die Vertretung der Eltern findet in vielfältiger Weise statt. Elternarbeit beginnt zunächst auf Klassenebene.
Hier werden die Vertreter der Eltern zu Klassenpflegschaftsvorsitzenden gewählt. Die Klassenpflegschaft ist
ein Gremium, das alle wichtigen Dinge der einzelnen Schulklasse regelt, Elternabende einberuft und Klassenfeste
veranstaltet. Aus dem Kreise der Klassenpflegschafts-vorsitzenden (und am Gymnasium auch aus den Reihen der
Stufenpflegschaftsvorsitzenden) wird in der Schulpflegschaftssitzung der oder die Schulpflegschaftsvorsitzende
gewählt sowie ein Stellvertreter oder eine Stellevertreterin.
Die Aufgabe des Schulpflegschaftsvorsitzenden, die ich nun schon vier Jahre ausübe, verlangt regelmäßige
Kontakte zur Schulleitung, die offizielle Vertretung der Eltern bei offiziellen Anlässen, wie Theater- und
Konzertabende und Verbindungen zu allen Gremien, in denen Entscheidungen fallen, die für uns Eltern wichtig sind.
In der Schulpflegschaft nun spielen sich die übergeordneten Themen ab, die die Schule betreffen, wie
Vergleichsarbeiten und Lernstandserhebungen, Fahrtenkonzepte und pädagogische Ideen werden hier diskutiert.
Die wirklich wichtigen Entscheidungen fallen dann in der Schulkonferenz, die derzeit aus 10 Lehrern und je
5 SchülerInnen und 5 Elternvertretern der Schulpflegschaft besteht. Die Schulkonferenz beschließt über alle
wichtigen Dinge, die entschieden werden müssen. Vom Schulprogramm bis zum beweglichen Ferientag bleibt kein
Thema ausgespart.
Dazu gibt es aber noch weitere kleinere Gremien, in denen Eltern aktiv sind: so z.B. den Eilausschuss, der
dann tagt, wenn die Schulkonferenz nicht schnell genug einberufen werden kann und die Hedwig-Wülfing-Stiftung,
die Mädchen finanziell unterstützt, damit diese ihre Schulausbildung frei von finanziellen Problemen abschließen
können.
Ein weiterer Baustein im Schulgefüge ist natürlich der Förderverein, in dem sich ebenfalls die Eltern über die
finanziellen Belange der Schule Gedanken machen.
Beim Rückblick stellt sich mir die Frage, wie intensiv wohl Elternarbeit in den letzten 100 Jahren an unserer
Schule betrieben wurde. Leider gibt es dazu keine Archivdaten.
Heute nun aber ist es so, dass wir Eltern mitgestalten können. Leider sind die Zwänge, die durch die Veränderungen
im Schulwesen auf uns alle zugekommen sind und noch zukommen werden so groß, dass wenig Spielraum für eigene
innovative Ideen bleibt. Oft bleibt nur die Frage nach der Art der Umsetzung von geforderten Veränderungen.
Deshalb bin ich sehr froh, dass es uns gelungen ist, ein Elternseminar zu etablieren, dass interessierten Eltern
die Möglichkeit bietet sich intensiv mit dem Thema Pubertät auseinanderzusetzen. In Zusammenarbeit mit der
Fachstelle für Suchtvorbeugung und der Drogenberatungsstelle Wuppertal diskutieren Eltern an 5 Abenden, wie
sie auf die Veränderungen ihrer Kinder reagieren können. Diese Reihe findet jetzt bereits einmal vor den Sommerferien
statt und wird wegen des großen Andrangs zu Beginn des neuen Schuljahrs wiederholt.
Unsere Gesellschaft in der Vergangenheit große Wandlungen erfahren, die auch am Gymnasium nicht halt gemacht haben.
So hat die klassische Kleinfamilie heute durch neue Lebensformen weitere Variationen erhalten, die bei Eltern,
Kindern und Lehrern zu neuen Herausforderungen führen. Patchworkfamilien und Einzelkinder, emotionale Vernachlässigung
und mangelnde Disziplin sind neue Themen, mit denen sich Schule auseinandersetzen muss. Neue Medien wie Computer,
Handy und Videospiele haben zur Werteverschiebung geführt. Familien mit Migrationshintergrund und der Einfluss andere
Kulturen auf unseren Alltag haben ebenfalls Einfluss auf unsere Wahrnehmung und fordern Veränderungen im Schulalltag,
auf den weder Lehrer noch Eltern richtig vorbereitet sind. Die wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes führt dazu,
dass die Rolle der Schule immer wieder neu definiert wird und ihre Aufgaben sich ständig anpassen müssen.
Aber es gibt auch positive Trends: Es ist schön zu sehen, wie sich Schüler in der Gestaltung der Schülermitwirkung
engagieren, wie sie bei Theater- und Konzertaufführungen freudig ihre Leistungen bringen. Viele Lehrer sind der
Auffassung, dass die Übernahme von Aufgaben im Schulleben sinnvoll ist und bringen sich vorbildlich ein bei
Klassenfahrten, Austauschprogrammen und schulinternen Projekten. Eltern sind aktiv in den Mitwirkungsgremien und
speziell bei uns auch in der Arbeit im Schülercafe. All das ist nicht selbstverständlich und diesem Einsatz gebührt
Anerkennung.
