Geschichte in der Oberstufe (Sekundarstufe II)

Grundlage für den Geschichtsunterricht in der Oberstufe sind die Richtlinien und Lehrpläne für die Sekundarstufe II – Gymnasium / Gesamtschule in Nordrhein-Westfalen von 1999. Nach der Einführung der achtjährigen Laufbahn am Gymnasium (G 8) erfolgt vom Schuljahr 2010/11 an für alle Schülerinnen und Schüler mit dem Erreichen der Klasse 10 der Eintritt in die gymnasiale Oberstufe. Der Jahrgang 10 bildet die so genannte Einführungsphase, in der weitere Ansprüche an den Geschichtsunterricht gestellt werden. Dazu zählt, dass die Schülerinnen und Schüler lernen, verschiedene Quellengattungen ideologiekritisch zu interpretieren und mit Darstellungen historischer Sachverhalte (Sekundärtexte) umgehen können. Es erfolgt eine Vertiefung des analytischen Umgangs mit unterschiedlichen, vor allem schriftlichen Quellen. Das Augenmerk richtet sich darauf, systematische Quellenvergleiche durchzuführen und ideologiekritische Verfahren anzuwenden, indem die Aussagen von Autorinnen und Autoren auf deren Standorte, Perspektiven und Interessen bezogen werden. Wichtig ist des Weiteren die Einführung in den Gebrauch historischer Fachliteratur. Hierbei sollen Grundfertigkeiten in der Informationsbeschaffung und – entnahme sowie auch die Techniken des Zitierens und Exzerpierens eingeübt und gefestigt werden. Im Gebrauch der Fachliteratur erfahren die Schülerinnen und Schüler, dass Historikerinnen und Historiker nicht selten den gleichen Sachverhalt auch unter Zugrundelegung der gleichen Quellenlage anders sehen und darstellen. Zur Erklärung dieses Tatbestandes wird z. B. die politische, religiöse soziale oder ethnische Herkunft der Autoren als Beurteilungskriterium herangezogen. Darüber hinaus erkennen sie, dass Historikerinnen und Historiker aus verschiedenen Epochen ein- und denselben Sachverhalt häufig anders darstellen oder bewerten. Die Schwerpunktthemen des Jahrgangs 10 behandeln das Christentum und den Islam in Mittelalter und früher Neuzeit, die Industrialisierung und die Soziale Frage sowie das Zeitalter des Imperialismus.

In den Jahrgängen 11 und 12, der Qualifikationsphase, kommen verstärkt Formen des wissenschaftspropädeutischen Arbeitens zur Anwendung. Dazu gehört, dass die Schülerinnen und Schüler in die Grundlagen des wissenschaftlichen historischen Denkens eingeführt werden, indem sie wichtige Operationen einüben: Fragestellung, Vermutung, Sammlung, Sichtung, kritische Prüfung von Quellen, Auswertung und Deutung der Quelleninformation, Darstellung und Verwendung des erworbenen Wissens. Im Laufe des Unterrichts werden die eingeübten methodischen Verfahren weiter ausdifferenziert. Danach gewinnen sie eine Vorstellung von der Leistung und den Grenzen wissenschaftlicher historischer Erkenntnis, indem das Vorgehen und die Ergebnisse der Geschichtswissenschaft reflektiert werden. Auf der Grundlage entsprechenden Materials muss die unvermeidliche Einnahme einer Perspektive durch die jeweiligen Historikerinnen und Historiker erkannt werden. So wird der Objektivitätsanspruch der Fachwissenschaft verständlich gemacht und zugleich vor falscher Wissenschaftsgläubigkeit gewarnt. In der Qualifikationsphase soll ein Unterrichtsniveau erreicht werden, das durch folgende Merkmale gekennzeichnet ist:

Der Schwerpunkt der Kursthemen in den Jahrgängen 11 und 12 liegt auf der deutschen und europäischen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Die antiken Wurzeln unseres heutigen Demokratieverständnisses und einer europäischen Identität werden abschließend perspektivisch beleuchtet.

Für die Ausbildung eines tieferen Geschichtsverständnisses und Geschichtsbewusstseins besitzen außerschulische Lernorte auch in der Sekundarstufe II einen großen Stellenwert. Wichtige Exkursionsziele in der Oberstufe sind:

Facharbeiten

Die Anfertigung einer Facharbeit eignet sich in besonderer Weise dazu, wissenschaftspropädeutisch zu lernen, d. h. die Schülerinnen und Schüler mit den Prinzipien und Formen des selbständigen Lernens vertraut zu machen. Eine Facharbeit ersetzt in der Jahrgangsstufe 11 (zuvor 12) eine Klausur und besitzt einen vergleichbaren Schwierigkeitsgrad. Sie soll einen Umfang von etwa 8 bis 12 Druckseiten aufweisen.
Das Verfassen einer Facharbeit erfordert die Verwendung historischer Hilfsmittel, die eigenständige Beschaffung von Material, die Anwendung historischer Analyse- und Interpretationsverfahren, die Beherrschung historischer Darstellungsformen und den Einbau textillustrierender und textunterstützender Materialien.
Für das Fach Geschichte bieten sich am GymBay Themen an, die entweder unmittelbar an den Unterricht anknüpfen, sich auf die eigene Schule beziehen, die unmittelbare Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler betreffen oder lokale bzw. regionale Bezüge haben.
Die mehr als hundertjährige Geschichte unseres Gymnasiums eröffnet hier vor allem die Möglichkeit, sich mit der Geschichte der Schule während der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus auseinanderzusetzen. Seit 1927 hieß die Schule Hindenburg- Realgymnasium und seit 1937 Hindenburg-Schule. Staatliche Oberschule für Jungen. Vor allem in Bezug auf die dreißiger Jahre können schuleigene Schriften und Dokumente bereitgestellt werden. Darüber hinaus eignen sich die geschichtlichen Besonderheiten des Briller Viertels, der Nordstadt und auch des Stadtteils Elberfeld hervorragend dazu, um interessante und spannende Themenstellungen für Facharbeiten zu entwickeln. Solche können sich beispielsweise mit der Existenz jüdischer Mitbürger und Gemeinden befassen, die Zeit des Ersten Weltkrieges beleuchten, der Bedeutung und Verbreitung von Familien- oder Straßennamen nachgehen oder das Wirken ausgewählter Personen oder Politiker der Stadt untersuchen.
Die Bearbeitung solcher oder anderer Themen in einer Facharbeit erfordert nicht selten den Besuch von Archiven und zumeist die Recherche in Bibliotheken. Neben entsprechenden schulischen Einführungsveranstaltungen zur Erstellung der Facharbeit werden den Schülerinnen und Schülern alljährlich Führungen in der Universitätsbibliothek Wuppertal angeboten.