Berufsorientierung
Eins ist sicher, mir ist nicht bang vor Berufen. Es gibt so
viele.
(Robert Walser, Fritz Kochers Aufsätze)
Neben der Bindung an einen Partner ist die Entscheidung für einen Beruf wohl die wichtigste im Leben, aber beiden Wahlen gemeinsam ist nicht nur, dass die Festlegung nicht in jedem Falle endgültig, sondern auch dass sie aus der Sicht vieler unserer Schüler/innen noch weit entfernt ist und dass es nicht Aufgabe der Schule sein kann, eine bestimmte Entscheidung herbeizuführen, sondern nur Wege dahin aufzuzeigen und sie ein wenig zu ebnen. Im allgemeinen Sinn soll dazu jeder Unterricht beitragen, der u.a. einübt, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden, Für und Wider abzuwägen und Probleme planvoll zu lösen, der Neugier weckt, zu Ausdauer erzieht und zu Selbständigkeit ermutigt. Zu Berufsorientierung im engeren Sinne kommen wir dann ab Klasse 8, wenn im Deutschunterricht die Schüler/innen Geschäftsbrief, Bewerbungsschreiben und Lebenslauf kennen lernen, im Rahmen des Politik – und / oder Erdkundeunterrichts ein Betrieb erkundet wird und die Wahlen für den Differenzierungsbereich dazu führen, Begabungs- und Interessenschwerpunkte zu überdenken. In Klasse 9 gibt es eine erste Berufsberatung im Klassenverband durch das Arbeitsamt, die Schüler/innen erkunden Eignungsprofile und Informationsmöglichkeiten im Berufsinformationszentrum und hören Ratschläge aus der Praxis zu Fragen der Bewerbung. Sachtexte und Referate zum Thema Arbeit/Beruf im Deutschunterricht ergänzen diese Angebote. Dabei geht es noch nicht um die Entscheidung für einen bestimmten Beruf, sondern darum, die Bereitschaft der Schüler/innen zu wecken , sich mit Fragen ihrer Berufswahl zu beschäftigen. Die dafür erforderliche Selbsteinschätzung soll dann in Klasse 10 ein mehrstündiger professioneller Berufseignungstest unterstützen, durch den sowohl die eigenen Wünsche wie die Stärken und Schwächen in unterschiedlichen Begabungsfeldern bewusst gemacht werden. Daran knüpft ein Projekttag zur Selbstfindung an, bei der sich Schüler/innen über mögliche Lebensplanungen und diesen zugrunde liegende Wertvorstellungen austauschen. Mit einer Vorstellung der Berufskollegs wird eine Alternative zur gymnasialen Oberstufe aufgezeigt. Diese Schritte sollen auch helfen, bewusster eine Stelle für das in JS 11 stattfindende vierzehntägige Betriebspraktikum auszuwählen. Hierzu suchen sich die Schüler/innen - überwiegend selbständig – einen Betrieb, in dem sie, nun schon im Hinblick auf einen möglichen Beruf, Anforderungen am Arbeitsplatz, innerbetriebliche Organisationsabläufe und Sozialbeziehungen erleben können; die Schule hilft durch Vor- und Nachbereitung in Projektform, diese Erfahrungen zu verarbeiten. Berufskundliche Informationen werden für die Sekundarstufe II weiterhin ständig an einem schwarzen Brett veröffentlicht, in einem Ständer zur Mitnahme bereitgestellt oder in den Tutorenkursen verteilt, so über Angebote von Fachhochschulen und Universitäten, aus der Wirtschaft oder des Arbeitsamtes. Dessen Berufsberatung wird kursweise und zusätzlich in individuellen Sprechstunden im Hause fortgesetzt. Durch ein externes Bewerber- und Testtraining werden die entsprechenden Vorkenntnisse aus der Mittelstufe vertieft. Exkursionen zu Universitäten oder in Betriebe im Rahmen von Leistungskursen vermitteln Praxisbegegnungen. Gesprächskontakte mit Berufsvertretern, wie sie im Tal traditionell vor allem Ausbildungsbörse und Primanertage ermöglichen, sollen auch in hausinternen Veranstaltungen in kleinerem Rahmen weiter angeboten werden. Da Lehrer/innen für die konkrete Berufsorientierung in der Regel nicht kompetent sind, ist die Schule gerade hier auf die Hilfe von Eltern, Ehemaligen und der Wirtschaft angewiesen, sei es für die Vermittlung von Praktikumsplätzen oder die Bereitschaft zur Teilnahme an Veranstaltungen oder zu einzelnen Gesprächen mit unseren Absolventen. Für entsprechende Angebote sind wir jederzeit dankbar.
