Gymnasium Bayreuther Straße Wuppertal

Auszeichnungen für Facharbeiten im LK Geschichte

Vom 10.12.2015

Facharbeit
Am Sonntag, dem 6.12.2015, fand in der „Begegnungsstätte Alte Synagoge“ in Wuppertal-Elberfeld die Preisverleihung für Facharbeiten statt, die 2015 an Wuppertaler Schulen angefertigt wurden. Da die historische Kommission des Trägervereins der Alten Synagoge Wuppertal e.V. es sich seit einigen Jahren zur Aufgabe gemacht hat, den an Schulen heranwachsenden wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern, zeichnete sie auch in diesem Jahr Schülerinnen und Schüler aus, die sich mit verschiedenen Aspekten der Geschichte des Nationalsozialismus auseinandergesetzt hatten. Den zweiten Preis erhielt Anna Bauerfeld für ihre Arbeit über den „Geschichtsunterricht während des Dritten Reiches im Spiegel der Zeitschrift ´Vergangenheit und Gegenwart´“, eine Zeitschrift, die sich auch im Archiv unserer Schule befindet.

Den dritten Preis bekam Aayush Kapoor für seine Arbeit „Der lila Winkel – Die Zeugen Jehovas im Dritten Reich“ zugesprochen. Beide Facharbeiten wurden durch den Lehrer des Leistungskurses Geschichte 12, Herrn Gönnemann, betreut.
Anna Bauerfeld konnte anhand ausgewählter Artikel der Lehrerzeitschrift „Vergangenheit und Gegenwart“ aus den zwanziger, dreißiger und vierziger Jahren aufzeigen, welches Menschen- und Geschichtsbild den Schülern in der NS-Zeit vermittelt werden sollte. Im Rahmen von Geschichtserzählungen wurden demnach historische „Führergestalten“ wie Julius Cäsar oder Karl der Große in den Vordergrund gestellt, um den Führerkult sowie das Ideal des NS-Führerstaates zu untermauern und zu propagieren. Die gezielte Manipulation oder Abänderung von historischen Sachverhalten und Erkenntnissen war in diesem Zusammenhang keine Seltenheit. Das Hauptergebnis der Facharbeit besteht darin, dass dem Geschichtsunterricht in der NS-Zeit überhaupt kein durchdachtes Prinzip zugrunde lag und dieser vorrangig als Instrument diente, um die menschenverachtenden Ziele der NS-Diktatur – Krieg, Unterwerfung, religiöser Führerkult - zu verwirklichen. Zu diesem Zweck wurden geschichtliche Ereignisse je nach „politischer Wetterlage“ modelliert und vor allem personalisiert.

Aayush Kapoor widmete sich einem lange vernachlässigten Thema, über das nur wenig bekannt ist. In seiner Arbeit über den „lila Winkel“- dem Erkennungszeichen der Zeugen Jehovas in den NS- Konzentrationslagern - wird deutlich, mit welch einer Hartnäckigkeit sich diese Glaubensgemeinschaft während der NS-Zeit dem Willen einer totalitären Diktatur widersetzte. Auf der Grundlage eines bemerkenswerten Zusammengehörigkeitsgefühls verweigerten Jehovas Zeugen beispielsweise den Wehrdienst und den Hitlergruß und nahmen dafür in Kauf, verfolgt, in Konzentrationslager gebracht und umgebracht zu werden. Der Behauptungswille der Bibelforscher – wie sie auch von den Nationalsozialisten genannt wurden – ist vermutlich bei keiner anderen Gruppe von Menschen, die in jener Zeit verfolgt wurde, so anzutreffen. Das Verhalten dieser Menschen nötigt bis zum heutigen Tage Respekt ab und hat sicherlich eine größere Aufmerksamkeit verdient, als dies bisher der Fall war.

Wir gratulieren Anna Bauerfeld und Aayush Kapoor sehr herzlich!


Bild: G. Bauerfeld

Bernd Spira