Flucht aus der DDR - Zeitzeuge am Bay

Vom 14.03.2010

Holger Bethke stellt sich den Fragen der Schüler

Am Donnerstag, dem 11. März 2010, hatte der Differenzierungskurs Englisch/Geschichte der Jahrgangsstufe 9 unter der Leitung von Herrn Mück die Mitschüler der Jahrgangsstufen 10 bis 13 zu einer ganz besonderen Geschichtsstunde in die überfüllte Aula eingeladen. Das Thema war „Flucht in die Freiheit – Die Bethke-Brüder“. Der Kurs präsentierte dem Auditorium einen prominenten Zeitzeugen: Herrn Holger Bethke aus Köln. Holger (51) ist der jüngste der drei Bethke-Brüder ein und derselben Ostberliner Familie, denen es nacheinander geglückt ist, die DDR auf abenteuerlichen Wegen zu verlassen: Ingo Bethke (56), der älteste, paddelte mit 21 Jahren am 26. Mai 1975 auf einer Luftmatratze über die 200 Meter breite Elbe nach Niedersachsen; Zeitzeuge Holger, der jüngste, rollte mit 24 Jahren am 31. März 1983 per selbstgebauter Seilbahnkonstruktion über die Mauer in Berlin; und am 26. Mai 1989 holten Ingo und Holger ihren 34jährigen Bruder Egbert mit zwei Ultraleichtflugzeugen vom Typ Fox C-22 von Ostberlin nach Westberlin. Nach exakt 14 Jahren der Trennung waren die drei Brüder wieder vereint. Am 9. November 1989 fiel die Mauer, und jetzt konnten die Eltern alle drei Söhne wiedersehen.

In drei nachgestellten Video-Einspielungen auf YouTube konnte das Auditorium zunächst die drei dramatischen Fluchtszenen miterleben. Der Kurs hatte eine lange Liste von Fragen an den Zeitzeugen vorbereitet: Das Spektrum reichte vom Schulsystem in der DDR über die Jugendorganisationen „Junge Pioniere“ und „FDJ“ bis zur (vor)militärischen Ausbildung. Die letzten drei Fragerunden kreisten um technische Details der Flucht und die Folgen für die Familie Bethke. Am Ende jeder Fragerunde wurde den Zuhörern Gelegenheit gegeben, selbst Zusatzfragen zu stellen. Es wurden auch ethische Fragen aufgeworfen: Inwieweit darf ein junger Mensch mit dem natürlichen Recht auf ein Leben in Freiheit seiner eigenen Familie schaden, denn dass die DDR-Führung die zurückgebliebenen Familienmitglieder verfolgen würde, war ja kein Geheimnis.

Am Schluss gab es für den Zeitzeugen lebhaften Beifall. Wir bedanken uns noch einmal für den bereitwilligen Einsatz von Herrn Bethke. Ohne ihn hätte diese Veranstaltung nicht stattfinden können. Wir sind uns sicher, dass dieses besondere Erlebnis dem Fach Geschichte zugutekommen wird.

Text: Heinz Dieter Mück

Rolf Sobolewski