Das Edikt von Roussillon - Edit (Edict) de Roussillon
Die Kalenderreform
Nachdem der französische König Karl der IX. recht jung gekrönt worden
war, unternahm er 13-jährig
mit seiner Mutter Catharina von Médicis eine Rundreise durch Frankreich um
sich dem Volk vorzustellen.
Als die Königsfamilie in der Gegend von Roussillon war, brach in der Stadt
Lyon die Pest aus, sodass
man sich im Schloss von
Roussillon (dem
heutigen Rathaus) niederlassen musste und die Amtsgeschäfte
weiterführte.
So kam es, dass dort ein bedeutendes Gesetz, das Edikt von Roussillon, 1564 vom König und seinen Ministern beschlossen wurde.
Dessen Artikel 39 besagt:
Wir wollen und ordnen an, dass in allen Akten, Verzeichnissen, Dokumenten, Verträgen, Anordnungen, Edikten sowohl in offener als auch in gesandter Form und in allen privaten Schriftstücken das Jahr von nun an am ersten Tag des Monats Januar beginnt bzw. gezählt wird.
Erlassen in Roussillon, am neunten August des Jahres 1564.
So unterzeichnet durch den König und
seinen Rat.
Zu dieser Zeit hatten nämlich die verschiedenen Gegenden Frankreichs unterschiedliche Kalender, die man so vereinheitlichte. Damit galt in Frankreich genauso wie Deutschland schon der sogenannte gregorianische Kalender, der bis heute seine Gültigkeit behalten hat.
Der Text des Ediktes ist in der französischen Sprache des 16. Jahrhunderts geschrieben. Dies erkennt man an Wörtern wie "escripture" heute "écriture" oder "doresenavant" heute "dorénavant" und anderen orthographischen Besonderheiten, wie "commance" anstatt "commence" oder "moys" statt "mois".

Im großen Saal des Schlosses von Roussillon findet man eine szenische Darstellung der Unterzeichnung des Ediktes durch den König. Diese zeigt links neben dem jungen König Charles IX. seine Schwester Marguerite de Valois und davor die Mutter des Königs Cathérine de Médicis. Rechts im Hintergrund steht der Kanzler Michel de l'Hospital.
Die Auswirkungen des Erlasses

Die etwa 30 km entfernt gelegene Stadt Vienne hat eine gothische Kathedrale ,die noch zur Zeit des julianischen Kalenders erbaut worden ist. Blickt man im Inneren unterhalb der Vierung nach links (Norden), so erkennt man über dem Spitzbogen die von rechts nach links angeordneten Tierkreiszeichen (Frise du zodiaque) aus dem 12. Jahrhundert. Im julianischen Kalender war der September ursprünglich der siebte (septem, sept = sieben) und der Dezember der zehnte Monat (decem, dix = zehn) eines Jahres, u.s.w. In Vienne begann seiner Zeit das Kalenderjahr am 25. März und endete mit dem Sternzeichen der Fische.
Nach dem Inkrafttreten des Ediktes von Roussillon musste die Reihenfolge der
Sternzeichen geändert werden. Dadurch verschob sich das Kreuz, das ursprünglich
in der Mitte des oben zu sehenden Bandes war, um zwei Bilder bzw. zeitlich um zwei
Monate. Das Sternzeichen der Fische (Februar + März), an dessen linken Rand man einen
kleinen Bruch erkennen kann und das bis zum 16. Jahrhundert noch ganz links
angeordnet gewesen war, ist somit seitdem im rechten Teil des Frieses platziert.
(Diesen Sachverhalt kann man auch in französischer Sprache nachlesen.)
Dorit Schneider u. Jana Hussner, Klasse 9e (2005/06)
